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Referat im Rahmen des
Arbeitskreises Familienpsychologie am 16.06.2000,
Sozialarbeiterinnen beim ASD des Kreisjugendamtes
Marburg-Biedenkopf
PAS - "Parental
Alienation Syndrome"
Birgitta Opdenhövel-Bötel,
Barbara Weber
Definition
Dynamik der Entstehung von PAS
Aus der Sichtweise der Eltern
Aus der Sichtweise der Kinder
Symptomatik
Kategorisierung
Manipulationsformen
Ziele der Interventionen
Aufgaben der Jugendhilfe
Literaturverzeichnis
Leitsätze
- Jedes Kind hat von Geburt an ein unveräußerliches
Recht auf die gelebte Beziehung zu beiden Elternteilen.
(Die Eltern-Kind-Beziehung dauert ein Leben lang.)
- Mutter und Vater sind die zentralen, Arche typischen
Figuren im psychischen Leben eines jeden Menschen.
- Für eine optimale kindliche Persönlichkeitsentwicklung
bedarf es der emotionalen Zuwendung, Fürsorge
und Förderung durch beide Elternteile, insbesondere
auch nach der Trennung der Eltern.
Fazit
Jugendhilfe und Familiengerichte haben die vorrangige
Aufgabe, mit ihren Mitteln die Erhaltung oder Wiederherstellung
an gelebter Beziehung von Kindern zu beiden Elternteilen
zu sichern.
Definition
Der Begriff "Parental Alienation Syndrome"
wird dem Amerikaner Richard A. Gardner zugeschrieben
(1992: "The Parental Alienation Syndrome, A Guide
for Mental Health and Legal Professionals").
PAS lässt sich umschreiben als bewusste oder
unbewusste Programmierung (Manipulation) von Kindern
im Rahmen von Umgangs- und Sorgerechtskonflikten der
Eltern durch einen Elternteil zum Nachteil des anderen
Elternteils.
Aus Sicht der Kinder bedeutet dies die kompromisslose
Zuwendung zu einem guten, geliebten Elternteil und
die ebenso kompromisslose Abkehr vom anderen bösen,
gehassten Elternteil. Das Kind spaltet seine Eltern
in einen geliebten, guten und einen vorgeblich gehassten,
bösen Elternteil.
In der Mehrzahl der Fälle sind die Mütter
die Initiatorinnen der Programmierung und die Väter
die Opfer, allein dadurch bedingt, dass die Mehrzahl
der Trennungskinder bei ihren Müttern lebt. Der
manipulierende Elternteil - in der Regel der Betreuende
- beansprucht die Zuneigung des Kindes ausschließlich
für sich selbst. Die Liebe des Kindes zum anderen
Elternteil soll zerstört werden mit dem Ziel,
ihn gänzlich aus ihrem Leben zu eliminieren.
Kodjoe und Koeppel halten die Bezeichnung "Induzierte
Eltern-Kind-Entfremdung" für angemessen.
Die deutsche Übersetzung "Elterliches Entfremdungssyndrom"
erscheint ihnen unangebracht, zumal in Deutsch sprachigen
Veröffentlichungen der Begriff auch im Zusammenhang
mit der Ablehnung eines Kindes gegenüber einem
Elternteil gebraucht wird, von welchem es tatsächlich
misshandelt wurde. Bezeichnend für die Problematik
von PAS ist aber gerade, dass sich der abgelehnte
Elternteil in keinster Weise so verhalten hat, dass
das Verhalten des Kindes gerechtfertigt wäre.
Liegt tatsächlich ein Missbrauch durch den abgelehnten
Elternteil vor, trifft die Diagnose PAS nicht zu.
Dynamik der Entstehung von PAS
Leitsätze
Trennung stellt eine Lebenskrise dar. Trennung und
Scheidung bedeuten für jeden beteiligten Menschen
zunächst eine schmerzliche Erfahrung, die mit
Trauer, Schuldgefühlen, Verlustängsten etc.
einhergeht.
Aus der Sichtweise der Eltern
Die verständliche Reaktion vieler Partner ist
zunächst der Wunsch nach vollkommener Distanzierung
vom Ex-Partner. Sind Kinder vorhanden, ist diese Verhaltensweise
im Interesse der Kinder nicht möglich. Die Paarebene
muss von der Elternebene getrennt werden. Die Einbeziehung
beider Elternteile im Hinblick auf die Zuwendung zum
Kind und die Reorganisation des Familiensystems sind
zum Wohle des Kindes unmittelbar im Trennungsprozess
zu leisten. Die konstruktive Bewältigung der
o. g. Gesamtproblematik stellt hohe Ansprüche
an die Elternteile, denen einige in der hoch brisanten
Trennungssituation nicht gerecht werden können.
Eltern, denen es nicht gelingt, die Lebenskrise Trennung
zu bewältigen und die Paarebene von der Elternebene
zu trennen, neigen dazu, "programmierende Elternteile"
zu werden. Kodjoe und Koeppel unterscheiden bezüglich
der Psychodynamik der Eltern zwei Gruppen:
-
Eltern, die aus Angst handeln.
Hierbei handelt es sich in der Regel um Eltern, die
von ihrem Partner verlassen wurden. Sie erleben die
Trennung als existenzielle(n) Zurückweisung und
Verlust. Zur Kompensation ihrer eigenen Ängste
binden sie die Kinder an sich und versuchen, deren
eigenständige Beziehung zum anderen Elternteil
zu zerstören.
-
Eltern, die nicht zur Eigenreflexion fähig sind.
Hierbei handelt es sich um Elternteile, die in der
Trennungsbewältigung nicht über das Stadium
der Wut heraus kommen. Das Scheitern der Beziehung
wird vollkommen dem anderen Elternteil angelastet.
Sie sind nicht in der Lage, ihren eigenen Anteil am
Scheitern der Beziehung zu erkennen. Der andere Elternteil
wird als Gesamtpersönlichkeit abgelehnt; er ist
nicht nur der verantwortungslose Partner, sondern
auch der verantwortungslose Elternteil (Vermischung
der Paar- und Elternebene). Vor einem derart unfähigen
Elternteil müssen die Kinder aus Sicht des programmierenden
Elternteils beschützt werden.
Aus der Sichtweise der Kinder
Die Trennung der Eltern, verbunden mit der Erkenntnis
für die Kinder, dass diese sich nicht mehr lieben,
ruft in der Regel einen Loyalitätskonflikt bei
den Kindern hervor. Dieser Konflikt kann nur mit aktiver
Unterstützung beider Elternteile aufgehoben werden.
Beide Elternteile müssen ihrem Kind ermöglichen,
den anderen Elternteil weiter lieben zu dürfen.
Voraussetzung hierfür wiederum ist, dass sie
in der Lage sind, zwischen Paar- und Elternebene zu
differenzieren. Sie müssen dem Kind deutlich
vermitteln, dass positive Gefühle und die Liebe
des Kindes gegenüber dem anderen Elternteil erlaubt
sind, selbst bei eigenen negativen Gefühlen.
Gelingt ihnen diese Vermittlung nicht, wird das Kind
den Loyalitätskonflikt bei entsprechender Beeinflussung
dadurch lösen, dass es seine Eltern in einen
guten und in einen schlechten Elternteil spaltet.
Hierbei spielt ebenfalls Angst die zentrale Rolle;
das Kind befürchtet, die Liebe des manipulierenden
Elternteils, der in der Regel auch der Betreuende
ist, zu verlieren, wenn es sich nicht vollkommen diesem
zuwendet und dessen Bewertungen und Einschätzungen
bezüglich des anderen Elternteils übernimmt.
Symptomatik
Gardner führt acht verschiedene Symptome zur
Diagnosestellung von PAS auf:
1. Verunglimpfungskampagne
Zurückweisung und Herabsetzung des anderen Elternteils
mit nahezu vollständigem Ausblenden schöner,
gemeinsamer Erinnerungen auch aus der Vergangenheit
(Beispiel aus einem Kindergespräch: Ein Foto
zeigt das Kind und seinen Vater beim gemeinsamen Indianerspiel,
beide lachen. Angabe des Kindes zu dem Bild: "Da
habe ich nur mitgemacht, weil Papa es so gerne wollte.").
Der abgelehnte Elternteil wird als böse, ja geradezu
gefährlich eingestuft, ihm wird alles zugetraut,
ohne jeglichen realen Hintergrund.
2. Schwache, leichtfertige bis absurde Begründung
für die Verunglimpfung
Absurde Rationalisierungen werden herangezogen, um
die Ablehnung zu begründen [selbst erlebtes Beispiel:
"Bei meinem Vater gibt es immer Salat zum Essen,
deswegen kann ich ihn nicht mehr besuchen." Auf
die Frage, ob sein Vater denn darauf bestehe, dass
er diesen auch esse, antwortete der Junge mit einem
Nein. Aber das Reichen von Salat würde zeigen,
dass sein Vater nicht auf die Bedürfnisse von
Kindern eingehen könne (11-jähriger Junge).].
3. Fehlen von Ambivalenz
Die gesunde, natürlich gegebene Ambivalenz von
Kindern gegenüber beiden Elternteilen fehlt.
Der entfremdende Elternteil wird als rundum gut beschrieben,
der entfremdete Elternteil als in jeder Hinsicht schlecht
charakterisiert. Die Kinder können dem manipulierenden
Elternteil selbst bei expliziter Nachfrage keine negativen
Eigenschaften zuordnen, er wird von ihnen nahezu perfekt
beschrieben. Dagegen wird der andere Elternteil nur
schlecht beschrieben ohne jegliche positive Eigenschaft
einschließlich dem Ausblenden von gemeinsamen,
schönen Erinnerungen (siehe oben). Bei der Befragung
wird der entfremdete Elternteil mit einer ganzen Auflistung
sämtlicher schlechter Eigenschaften bedacht,
die zum Teil wie "herunter gebetet" wirkt.
4. Das Phänomen der "eigenständigen
Meinung"
Die Kinder verteidigen jede ihrer Aussagen mit dem
Hinweis auf ihre "eigene Meinung". Das Kind
nimmt die Einschätzung des manipulierenden Elternteils
bzw. des ehemaligen Partners wahr sowie die Erwartung,
dass es genauso zu empfinden hat. Aus Angst und Loyalität
gegenüber dem Elternteil, mit dem es zusammenlebt,
verleugnet es seine eigenen Gefühle und übernimmt
dessen. Es befürchtet, sonst auch noch diesen
Elternteil zu verlieren. Die Fähigkeit in die
eigene Wahrnehmung und Gefühlswelt wird fundamental
zerstört, das Kind ist nicht in der Lage, zwischen
fremder Ansicht und eigenen Empfindungen und Bedürfnissen
zu unterscheiden, zumal Kinder im Alter bis zu 10
Jahren kaum zwischen Wirklichkeit und vorgegebener
Meinung unterscheiden können.
5. Reflexartige Unterstützung und Parteinahme
mit dem entfremdenden Elternteil
Im Gespräch mit dem Kind fällt eine fast
Reflex artige Parteinahme für den manipulierenden
Elternteil auf, ohne jegliches Zögern wird er
in allen Punkten verteidigt und glorifiziert. Der
andere Elternteil wird dagegen herabgesetzt und für
alles Negative verantwortlich gemacht. Widersprüchlichkeiten
in den Aussagen der Eltern begegnet das Kind in der
Regel damit, dass es den entfremdeten Elternteil der
Lüge bezichtigt.
6. Fehlen von Schuldgefühlen bez. des Verhaltens
gegenüber dem entfremdeten Elternteil
Die Kinder empfinden es als ihr gutes Recht, den entfremdeten
Elternteil permanent herabzusetzen, da er ja die "Schlechtigkeit"
in Person bzw. ihr Feind ist. Sie begegnen ihm oft
vollkommen respektlos, feindselig, zum Teil bewusst
provozierend bis hin zu gewalttätig. Hierbei
sind sie gleichgültig bezüglich des Leides,
welches sie dem entfremdeten Elternteil zufügen.
Einhergehend stellen die Kinder aber häufig vollkommen
überzogene Forderungen bezüglich materieller
Dinge, überzeugt davon, dass dies ihr gutes Recht
ist.
7. Vorliegen
entliehener Szenarien
Im Gespräch mit PAS-Kindern fallen häufig
so genannte entliehene bzw. geborgte Szenarien auf.
Wortwahl, Inhalt und Argumente sind nicht Kind gerecht.
Bei Nachfrage stellt sich oft heraus, dass die Kinder
teilweise gar nicht wissen, worüber sie reden.
Die entliehenen Szenarien spiegeln die Bewertungen
des entfremdenden Elternteils wider und stimmen nicht
mit der Erlebnisweise von Kindern überein (z.
B. das fast schon klassische Beispiel: "Er überschüttet
mich mit Geschenken, so lerne ich nie den Wert von
Dingen schätzen." Es stellt sich die Frage,
welches zumindest jüngere Kind so empfindet.).
Dadurch, dass die Kinder übernommene Bewertungen,
gehörte Argumente und Ereignisse Schildern, stimmen
die Aussagen und die dazu gezeigte Mimik und Gestik
nicht überein [auch hier ein Beispiel: Das Kind
schildert den letzten Besuchskontakt zum Vater, den
es angeblich als sehr belastend empfunden hat (auch
hier entliehene Wortwahl) und lächelt dabei verzückt.].
8. Ausweitung der Ablehnung auf die erweiterte Familie
und den Freundeskreis des entfremdeten Elternteils
Es kommt zu einer fast Sippenhaft ähnlichen Ablehnung
aller dem entfremdeten Elternteil nahe stehenden Personen,
zum Teil mit ähnlichen Verunglimpfungskampagnen
und absurden Begründungen wie gegenüber
dem anderen Elternteil. Für das Kind bedeutet
dies neben dem Verlust des entfremdeten Elternteils
auch noch der Verlust weiterer zum Teil enger Bezugspersonen
z. B. der Großeltern.
Kategorisierung
Die PAS-Kategorie ist nicht abhängig von den
Anstrengungen des programmierenden Elternteils, sondern
vom Ergebnis des Indoktrinationsprozesses beim Kind.
Das Ausmaß der Manifestation der Symptome von
PAS beim Kind bestimmt die Kategorie, nicht der Umfang
und die Härte der eingesetzten Manipulationsversuche.
Gardner unterscheidet drei verschiedene Kategorien
von PAS: Leichte, mittelschwere und schwere Ausprägungsform.
- Leichte Manifestation
Bei einer nur leichten Ausprägung von PAS zeigen
die Kinder die vg. Symptome in einer relativ schwachen
Manifestation, nicht alle Symptome sind gegeben.
Besuchskontakte zum entfremdeten Elternteil sind ohne
große Probleme möglich. Schwierigkeiten
gibt es - wenn überhaupt - nur im Rahmen der
Übergabesituation.
Ablehnungsszenarien und Verunglimpfungen werden nur
in Anwesenheit des manipulierenden Elternteils durchgeführt,
um dessen Erwartungen zu erfüllen und sich dessen
Liebe zu sichern.
- Mittelschwere Manifestation
Nach Gardner handelt es sich hierbei um die häufigste
Form von PAS.
In der Regel sind bereits alle acht Symptome von PAS
bei den Kindern zu beobachten, wenn auch zum Teil
in unterschiedlicher Gewichtung.
Ablehnungsszenarien und Verunglimpfungen sind deutlich
wahrnehmbar, insbesondere auch in Übergabesituationen
bei Besuchskontakten.
Sind beide Elternteile gleichzeitig anwesend, wendet
sich das Kind ausschließlich dem manipulierenden
Elternteil zu und zeigt dem anderen Elternteil deutlich
seine Abneigung. Das Kind ist nicht mehr in der Lage,
vor dem programmierenden Elternteil dem anderen Elternteil
seine Zuneigung zu zeigen. (In Konflikten wird der
entfremdende Elternteil Reflexartig unterstützt.)
Die Ablehnung gegenüber dem entfremdeten Elternteil
wird bei Abwesenheit des manipulierenden Elternteils
in der Regel allerdings schnell aufgehoben. Besuchskontakte
sind letztendlich noch möglich, auch wenn die
Kinder zunächst offen dagegen rebellieren und
sich Übergabesituationen meist schwierig gestalten.
- Schwere Manifestation
Bei dieser Kategorie von PAS zeigen die Kinder in
der Regel alle acht Hauptsymptome in stärkster
Ausprägung. Sie verhalten sich zum Teil fanatisch,
geradezu paranoid gegenüber dem entfremdeten
Elternteil und sind mit dem manipulierenden Elternteil
regelrecht symbiotisch verbunden.
Besuche beim abgelehnten Elternteil scheinen nicht
mehr möglich, das Kind gerät bei der Vorstellung,
diesen besuchen zu müssen, regelrecht in Panik.
Das ablehnende Verhalten und ihre feindlichen Gefühle
gegenüber dem entfremdeten Elternteil lassen
auch bei längerer Abwesenheit des programmierenden
Elternteils nicht nach, da die Kinder mit diesem pathologisch
verbunden sind.
Kontakte zum entfremdeten Elternteil sind erst nach
dem Lösen dieser symbiotischen Beziehung, in
der Regel nur noch erreichbar durch Trennung des Kindes
vom programmierenden Elternteil möglich.
Interventionen bei PAS
Leitsatz
Interventionsmöglichkeiten erweisen sich häufig
als schwierig, da programmierende Elternteile Taktiken
anwenden, um die Beziehung zum anderen Elternteil
zu verändern oder zu zerstören.
Manipulationsformen
Vera Fischer unterscheidet 11 Manöver der programmierenden
Eltern:
1. Manipulierende Eltern übernehmen keine
Verantwortung für die Aufrechterhaltung der anderen
Eltern-Kind-Beziehung, stattdessen verbünden
sie sich mit dem Kind gegen den abgelehnten Partner.
Dieser wird oft als rücksichtslos und unfähig
bezeichnet.
2. Bezüglich gerichtlicher Beschlüsse
wird eine strikte Einhaltung der Besuchszeiten gefordert.
Aufgrund der fehlenden Flexibilität kann der
andere Elternteil nicht beteiligt werden; diese Eltern-Kind-Beziehung
verliert die Basis.
3. Kontakte zum anderen Elternteil werden als
schädlich für das Kind dargelegt. Der manipulierende
Elternteil versucht, diese Kontakte zu reduzieren
oder auszusetzen unter dem Vorbehalt, die Stabilisierung
beim Kind zu erreichen.
4. Kontaktaufnahmen des anderen Elternteiles
werden als störend für die neue Familie
bezeichnet. Jede Art von Beschäftigung wird als
wichtiger als die Beziehung zum anderen Elternteil
dargelegt.
5. Der manipulierende Elternteil vermittelt
dem Kind eine gleichgültige oder ablehnende Haltung
gegenüber dem anderen Elternteil.
6. Die Beziehung zum abgelehnten Elternteil muss aus
Angst vor gerichtlichen Schritten weitergeführt
werden.
7. Manipulierende Eltern provozieren den abgelehnten
Elternteil, um dem Kind Schwächen wie z. B. bei
emotionalen Ausbrüchen aufzuzeigen.
8. Der abgelehnte Elternteil wird aus dem Leben
des Kindes eliminiert (Geschenke und Bilder werden
zurückgegeben, Namensänderungen erfolgen).
9. Aufgrund unrealistischer Vorstellungen,
z. B. befürchtete Gewalt des anderen Elternteils,
wird der abgelehnte Elternteil aus dem neuen Leben
heraus gehalten.
10. Versuche des abgelehnten Elternteils, den
Umgang mit dem Kind aufrechtzuerhalten, werden lediglich
als Durchsetzung eigener Interessen bezeichnet.
11. Aus Angst, die Kinder zu verlieren, vermittelt
der manipulierende Elternteil Angst gegenüber
dem abgelehnten Elternteil, die vollkommen unrealistisch
ist.
Ziele der Interventionen
Leitsatz
Die Beziehung des Kindes zu beiden Elternteilen muss
stabilisiert werden. Flexibilität ist die notwendige
Voraussetzung.
Interventionen müssen generell so frühzeitig
wie möglich angesetzt sein, um Kindeswohlgefährdungen
und Schäden in der Elternbeziehung vermeiden
bzw. ausschließen zu können.
Sowohl für die Prävention als auch für
die Nachbetreuung in den hoch problematischen Trennungs-
und Scheidungsverfahren ist die Kooperation aller
am Prozess beteiligten Institutionen und Personen
notwendig. Nur bei sinnvoller Koordinierung zur Konfliktvermeidung
und Konfliktlösung können diese Bemühungen
erfolgreich sein.
Leitsatz
Jedes Kind braucht für seine Persönlichkeitsentwicklung
die Liebe beider Elternteile; die Beziehung zu beiden
Elternteilen muss erhalten bleiben.
Die Hilfe für die Kinder muss einen geschützten
Rahmen bieten, in denen die Kinder eigene Bedürfnisse
erkennen und die Beziehung zum anderen Elternteil
wieder aufnehmen können.
Die Hilfe für die Eltern muss den Eltern Unterstützung
geben, um diese vg. Prozesse beim Kind zuzulassen.
Kodjoe und Koeppel unterscheiden fünf Ebenen
von Interventionen:
- Erste Ebene: Prävention
Geht man davon aus, dass in unserer Gesellschaft immer
mehr Kinder die Trennung ihrer Eltern miterleben werden,
erscheint es sinnvoll, durch eine breite Öffentlichkeitsarbeit
in der Bevölkerung eine Sensibilität für
die Bedürfnisse von Kindern in dieser Lebenssituation
hervorzurufen. Präventionsprogramme können
in Form von Vorträgen, Diskussionen, Literatur
etc. in sämtlichen Institutionen wie z. B. Schulen,
Gemeinden und Betrieben mit dem Ziel der Wissensvermittlung
über Lebenskrisen, Reorganisation der Elternbeziehungen
insbesondere im Hinblick auf die Bedürfnisse
von Kindern in dieser Situation erfolgen.
- Zweite Ebene: Beratung für die Eltern im Sorge-
und Umgangsstreit
Eltern benötigen Unterstützung in Form von
Beratung zur Überwindung der Lebenskrise und
der Gegnerschaft zum anderen Elternteil, um gemeinsame
Elternverantwortung gegenüber dem Kind übernehmen
zu können.
- Dritte Ebene: Psychologische Intervention
für hochstrittige Familien
Eine Familientherapie oder evtl. eine stationäre
Behandlung von Familien mit entwicklungs- und verhaltensauffälligen
Kindern ist zur Wiederherstellung und Reorganisation
der Eltern-Kind-Beziehungen notwendig.
- Vierte Ebene: Psychologische Intervention
auf richterliche Anordnung und Einholen eines Sachverständigengutachtens
Ziel ist die Konfliktreduzierung und Unterstützung
der Eltern zur Förderung der Erziehungsfähigkeit
und Kooperation. Sämtliche Vorgehensweisen müssen
am Kindeswohl orientiert sein, um dann einen entsprechenden
Bericht an das Gericht erstellen zu können.
- Fünfte Ebene: Weitergehende Beratung und Begleitung
hoch strittiger Familien über einen längeren
Zeitraum
Zur Stabilisierung und Befriedigung des Gesamtfamiliensystems
müssen bereits gefundene Lösungsstrategien
von beiden Elternteilen in anderen problematischen
Situationen übertragen werden können.
Fazit
Zur Vermeidung von PAS oder bei Intervention müssen
die Bedürfnisse des Kindes im Vordergrund stehen.
Aufgaben der Jugendhilfe
Leitsatz
Die Bereitschaft der Elternteile zur Akzeptanz zwei
guter oder gleichwertiger Elternbeziehungen muss gefördert
werden.
Der Beratung von Müttern und Vätern im Trennungsprozess
kommt unseres Erachtens eine entscheidende Bedeutung
zu, um der Entstehung von PAS entgegen zu wirken oder
schon im Anfangsstadium zu begegnen.
§ 17 KJHG greift diesen Grundgedanken auf, in
dem die Beratung helfen soll, "im Falle der Trennung
und Scheidung die Bedingungen für eine dem Wohl
des Kindes oder Jugendlichen förderliche Wahrnehmung
der Elternverantwortung zu schaffen".
Zu diesen Bedingungen gehört es, dass die Eltern
unter Umständen unter Einbeziehung von Fachkräften
ein Konzept erarbeiten, in dem sie aus gemeinsamer
Elternverantwortung das Familiensystem so reorganisieren,
dass das Kind die Möglichkeit erhält, seine
Beziehung zu beiden Elternteilen zu leben [in der
Regel Absprachen über den Besuchsmodus, gemeinsame
Absprachen über fundamentale Ziele und Inhalte
der Erziehung, gemeinsame Teilnahme an für das
Kind wichtigen Lebensereignissen (z. B. Einschulung),
etc. pp.].
Stimmt man der Überzeugung zu, dass schon in
der akuten Trennungsphase das Fundament für das
weitere Beziehungsgefüge der ehemaligen Familie
gelegt wird, so muss es die Aufgabe der Jugendhilfe
sein, möglichst viele Paare und deren Kinder
zu diesem Zeitpunkt per Beratung zu erreichen.
Dies gelingt zumindest in unserem Jugendamt zurzeit
nur ansatzweise. Der Beratungsprozess wird häufig
erst dann aufgegriffen, wenn familiengerichtliche
Anträge auf Umgangs- oder Sorgerechtsregelung
gestellt werden. Der einzelne Sozialarbeiter hat immer
mehr mit hoch strittigen Fällen, die häufig
mit einer schweren Form von PAS einhergehen, zu tun.
Hier würden uns insbesondere Konzepte anderer
Jugendämter interessieren, inwieweit diesen es
gelingt, schon in der akuten Trennungsphase Mütter
und Väter zu erreichen.
Bei fehlender Bereitschaft bezüglich der Fortdauer
der gemeinsamen Elternverantwortung von Seiten des
manipulierenden Elternteils ist dieser nicht in der
Lage, Verantwortung zur Sicherung des Kindeswohles
zu übernehmen. Die Interessen des Kindes müssen
unbedingt gewahrt werden.
Bei drohenden Sorge- und Umgangsrechtsverfahren geraten
manipulierende Elternteile unter Druck, so dass sie
häufig zu Gesprächen bereit sind. Nicht
außer Acht gelassen werden darf in diesem Zusammenhang,
dass der manipulierende Elternteil versuchen wird,
den Sozialarbeiter für die Umsetzung der eigenen
Ziele zu gewinnen.
Aufgabe des Sozialarbeiters ist es, in Gerichtsverfahren
das Gericht darüber zu informieren, welcher Elternteil
die Kooperation verweigert. Eine mögliche Kindeswohlgefährdung
muss in diesem Zusammenhang in Betracht gezogen werden.
Die Ausübung der alleinigen elterlichen Sorge
bei manipulierenden Elternteilen muss kritisch betrachtet
werden.
Es liegt in der Verantwortung des Sozialarbeiters,
gegenüber dem Gericht die Kindesinteressen zu
vertreten, Problemlösungen aufzuzeigen, die fehlende
Elternkooperation darzulegen und geeignete Interventionen
zu benennen.
Eine konstruktive Zusammenarbeit von Jugendhilfe und
Gericht verleiht dem Sozialarbeiter die Möglichkeit,
Veränderungen zur Wahrung der Kindesinteressen
zu bewirken.
Der Sozialarbeiter hat gemäß § 57
FGG - freiwillige Gerichtsbarkeit - die Möglichkeit,
ein Beschwerdeverfahren gegen jede juristische Entscheidung
einzuleiten, vorausgesetzt, die Empfehlungen zur Sicherung
des Kindeswohls werden nicht berücksichtigt.
Literaturverzeichnis:
1. Fischer, Wera: Das Parental
Alienation Syndrome (PAS) und die Interessenvertretung
des Kindes; NDV Heft 10/1998, S. 306 - 310
2. Fischer, Wera: Das Parental Alienation Syndrome
(PAS) und die Interessenvertretung des Kindes; NDV
Heft 11/1998, S. 343 - 348
3. Fischer, Wera: The Parental Alienation Syndrome
(PAS) und die Interessenvertretung des Kindes; http://www.pappa.com/recht/pas/pasfisch/html,
S. 1 - 21
4. Kodjoe, Ursula: Tagungsunterlagen PAS "Parental
Alienation Syndrome" vom 08.06.1999 in der Universitätsstadt
Marburg
5. Kodjoe, Ursula/Koeppel, Peter: Früherkennung
von PAS - Möglichkeiten psychologischer und rechtlicher
Interventionen; Kind-Prax 5/98, S. 138 - 144
6. Leitner, Werner G./Schoeler, Reinhold: Maßnahmen
und Empfehlungen für das Umgangsverfahren im
Blickfeld einer Differentialdiagnose bei Parental
Alienation Syndrome (PAS) unterschiedlicher Ausprägung
in Anlehnung an Gardner (1992/1997); Der Amtsvormund
November/Dezember 1998, S. 849 - 868
7. Schürmann, Marc: Wenn Mama den Papa
nicht mag, will ich ihn auch nicht sehen ...; Badische
Zeitung v. 22.06.1998, S. 444 - 447
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