Elternschmerz
 
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Allen Kindern beide Eltern !

17.03.2003

Liebe Michele,

da wir sonst keine Gelegenheit haben, uns mit Dir in Verbindung zu setzen, versuche ich's nun auf diesem Weg. Vielleicht schreibe ich mir auch nur den Frust von der Seele, aber was soll's, wahrscheinlich wirst Du diesen Brief ja doch nie lesen können.

Wir kennen uns ja fast gar nicht, haben uns nur ein paar Mal gesehen und auch das ist schon über vier Jahre her. Aber da Du die Tochter des Mannes bist, den ich liebe, liegt mir auch mehr an Dir, als Du Dir vorstellen kannst. Ich habe Dich ein paar Mal aus der Ferne gesehen (mein Gott, Du siehst Deinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich!) und jedesmal vermieden, Mike davon zu erzählen.

Schon komisch, wie Ihr alle denkt, dass das alles so an ihm vorbei geht. Manchmal bedaure ich, dass niemand gesehen hat, wie oft er weinend neben mir saß, wenn die Sehnsucht nach Dir und Jessica mal wieder zu groß war. Wie schade, dass Du nicht weißt, wie schlimm Feier- und Geburtstage ohne Euch für ihn waren - und sind. Weißt Du, wie sehr Deine Großeltern Dich vermissen?

Und Du denkst, er hat sich nicht bei Dir gemeldet? Das hat man Dir erzählt, nicht wahr? Irgendwann interessiert Dich und Jessica vielleicht die Wahrheit, dann können wir Euch die unzähligen Anwaltsbriefe und Gerichtsprotokolle zeigen, in denen er alles versucht hat, Euch sehen zu dürfen. Auch die Versuche Deiner Großeltern, irgendwie den Kontakt zu Dir nicht zu verlieren, wurden durch die Drohungen Deiner Mutter vereitelt. Alle haben Angst vor ihr...

Ich weiß, inzwischen wollt Ihr ihn nicht mehr sehen. Ich weiß auch, warum. Würdest Du mir glauben, wenn ich sagen würde, dass die Vorwürfe Deiner Mutter erfunden sind, um Deinen Vater kaputt zu machen? Nein? Das dachte ich mir. Darum sagt das wohl auch niemand. Sie ist schließlich Deine Mutter...

Und jetzt der Antrag auf Umbenennung... Dir wird schlecht, wenn Du den Namen Deines Vaters nur hörst? Merkt denn eigentlich niemand, was man Dir hier antut? Er hat das, was Deine Mutter ihm vorwirft, nie getan! Und Dir hat man das eingetrichtert, bis Du selbst dran geglaubt und Deine Erinnerungen angepasst hast. Interessiert das denn niemanden? Hat hier noch niemand was von psychischem Missbrauch gehört ?

Ja, ich beschuldige Deine Mutter des psychischen Missbrauchs! Man hat Dir alle schönen Erinnerungen an die gemeinsame Zeit genommen und Dir stattdessen eingepflanzt, Dein Vater sei ein Monster. Lass Dir gesagt sein: Das ist er nicht! Er liebt Dich, nach wie vor, und Du kannst nichts sagen oder tun, was das jemals ändern würde! Er wird immer für Dich da sein und auf Dich warten...

Das gleiche gilt auch für Jessica, die er immer wie ein eigenes Kind geliebt hat, obwohl sie "nur" adoptiert und das Kind des ersten Mannes Deiner Mutter ist.

Warum ich das alles schreibe, und nicht Mike? Er kann nicht mehr. Er hat aufgegeben, der Kampf war zu lange und hat zu viele Opfer gefordert, Dich eingeschlossen. Es wird Zeit, dass endlich Ruhe ist, für uns alle.

Nur eins noch, zum Abschluss: Dein Nachname wird nie etwas daran ändern, dass Mike Dein Vater ist und Dich liebt, für immer und ewig!

Leb wohl, Michele, ich hab' Dich lieb.

Tatiana

 
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