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Seit über 20 Jahren ist Renate Schmidt
Vollblutpolitikerin, für die SPD im Bund und in Bayern aktiv.
Seit 1997 ist sie stellvertretende Vorsitzende der
Bundespartei. Sie ist außerdem Vorsitzende des Forums Familie
der SPD. Schon immer hat sie sich für Familienpolitik stark
gemacht, wurde bisher deswegen aber eher belächelt. Denn
Familienpolitik war ein so genanntes „WW-Thema“: weiches
Weiber-Thema.
Das hat sich inzwischen radikal geändert:
Alle reden von Familienpolitik, denn die demographische
Entwicklung hat die Wirtschaft und damit Politiker aller
Couleur aufgeschreckt: Wenn die Geburtenrate von
1,4 Kindern pro Frau so bleibt, wird es bald noch sehr
viel erheblicheren Fachkräftemangel in der Wirtschaft geben,
und die sozialen Sicherungssysteme stünden schon bald vor dem
Kollaps. Also machen jetzt alle Vorschläge, wie man die
deutschen Frauen wieder zum Kinderkriegen animieren
könnte.
Der richtige Moment für Renate Schmidt, um mit
einem grundsätzlichen Buch auf den Markt zu kommen. „SOS
Familie – Ohne Kinder sehen wir alt aus“ heißt es und geht mit
der deutschen kinderentwöhnten Gesellschaft hart ins Gericht:
Denn familienpolitisch gehört Deutschland zu den
Schlusslichtern in der EU. So ist die Geburtenrate in den
Ländern am höchsten, in denen die Frauenerwerbstätigkeit
ebenfalls am höchsten ist. Wenn gut ausgebildete Frauen sich
nicht mehr zwischen Familie und Beruf entscheiden müssen,
sondern beides miteinander verbinden können, dann steigt auch
die Geburtenrate wieder, so Renate Schmidts These. Also muss
für ausreichende Kinderbetreuung vom Kleinkind bis zum
Schulkind gesorgt werden, aber auch die Männer müssen viel
mehr in Hausarbeit und Kindererziehung einbezogen werden, die
Wirtschaft muss mit familienfreundlichen Arbeitsbedingungen
das Leben von Müttern und Vätern erleichtern und zum Beispiel
Betriebskindergärten einrichten, und die Gewerkschaften müssen
familienfreundliche Arbeitsbedingungen zum Thema von
Tarifverhandlungen machen. Natürlich muss Eltern auch ein
Ausgleich für ihre erheblichen Aufwendungen für Kinder in Form
von Kindergeld gezahlt werden, doch wichtiger noch scheint
Renate Schmidt ein grundsätzlicher Mentalitätswechsel in der
Gesellschaft: Es muss erkannt werden, dass Familienpolitik
zwar Politik für eine Minderheit ist, aber letztlich allen
nützt. Deswegen fordert sie Bündnisse für Familien auf
kommunaler Ebene, Kinderverträglichkeitsprüfungen bei allen
Entscheidungen und eine grundsätzliche andere Einstellung
gegenüber Kindern: Denn ohne sie sieht unsere Gesellschaft alt
aus!
Renate Schmidt weiß, wovon sie spricht. Mit knapp
18 bekam sie ihr erstes Kind, weswegen sie von der Schule
gehen musste. Sie sorgte dann für den Familienunterhalt,
während ihr Mann sich um die bald auf drei angewachsene
Kinderschar kümmerte. Nachdem sie Witwe geworden war, erlebte
sie auch das Schicksal einer Alleinerziehenden. Später
heiratete sie wieder und hat jetzt drei Enkel. Sie hat ihre
Familie immer als normal empfunden, auch wenn bei ihnen „alles
umgekehrt“ war.
- Renate Schmidt
S.O.S. Familie
Ohne Kinder sehen wir alt aus Rowohlt Berlin,
2002 ISBN 3-87134-444-3 Preis: 16,90
Euro |
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