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Themen der Sendung:
Ein Notruf von Renate Schmidt
Gourmet-Knigge für Kinder
Fremdbetreuung für Demenzkranke
Coming-out
Woher kommt der Osterhase?
Tipps und Infos
Renate Schmidt; Rechte WDR (Standbild) Sendung vom 27. März 2002


SOS Familie – Ein Notruf von Renate Schmidt
Von Irmela Hannover

 
 

Seit über 20 Jahren ist Renate Schmidt Vollblutpolitikerin, für die SPD im Bund und in Bayern aktiv. Seit 1997 ist sie stellvertretende Vorsitzende der Bundespartei. Sie ist außerdem Vorsitzende des Forums Familie der SPD. Schon immer hat sie sich für Familienpolitik stark gemacht, wurde bisher deswegen aber eher belächelt. Denn Familienpolitik war ein so genanntes „WW-Thema“: weiches Weiber-Thema.

Das hat sich inzwischen radikal geändert: Alle reden von Familienpolitik, denn die demographische Entwicklung hat die Wirtschaft und damit Politiker aller Couleur aufgeschreckt: Wenn die Geburtenrate von 1,4 Kindern pro Frau so bleibt, wird es bald noch sehr viel erheblicheren Fachkräftemangel in der Wirtschaft geben, und die sozialen Sicherungssysteme stünden schon bald vor dem Kollaps. Also machen jetzt alle Vorschläge, wie man die deutschen Frauen wieder zum Kinderkriegen animieren könnte.

Der richtige Moment für Renate Schmidt, um mit einem grundsätzlichen Buch auf den Markt zu kommen. „SOS Familie – Ohne Kinder sehen wir alt aus“ heißt es und geht mit der deutschen kinderentwöhnten Gesellschaft hart ins Gericht: Denn familienpolitisch gehört Deutschland zu den Schlusslichtern in der EU. So ist die Geburtenrate in den Ländern am höchsten, in denen die Frauenerwerbstätigkeit ebenfalls am höchsten ist. Wenn gut ausgebildete Frauen sich nicht mehr zwischen Familie und Beruf entscheiden müssen, sondern beides miteinander verbinden können, dann steigt auch die Geburtenrate wieder, so Renate Schmidts These. Also muss für ausreichende Kinderbetreuung vom Kleinkind bis zum Schulkind gesorgt werden, aber auch die Männer müssen viel mehr in Hausarbeit und Kindererziehung einbezogen werden, die Wirtschaft muss mit familienfreundlichen Arbeitsbedingungen das Leben von Müttern und Vätern erleichtern und zum Beispiel Betriebskindergärten einrichten, und die Gewerkschaften müssen familienfreundliche Arbeitsbedingungen zum Thema von Tarifverhandlungen machen. Natürlich muss Eltern auch ein Ausgleich für ihre erheblichen Aufwendungen für Kinder in Form von Kindergeld gezahlt werden, doch wichtiger noch scheint Renate Schmidt ein grundsätzlicher Mentalitätswechsel in der Gesellschaft: Es muss erkannt werden, dass Familienpolitik zwar Politik für eine Minderheit ist, aber letztlich allen nützt. Deswegen fordert sie Bündnisse für Familien auf kommunaler Ebene, Kinderverträglichkeitsprüfungen bei allen Entscheidungen und eine grundsätzliche andere Einstellung gegenüber Kindern: Denn ohne sie sieht unsere Gesellschaft alt aus!

Renate Schmidt weiß, wovon sie spricht. Mit knapp 18 bekam sie ihr erstes Kind, weswegen sie von der Schule gehen musste. Sie sorgte dann für den Familienunterhalt, während ihr Mann sich um die bald auf drei angewachsene Kinderschar kümmerte. Nachdem sie Witwe geworden war, erlebte sie auch das Schicksal einer Alleinerziehenden. Später heiratete sie wieder und hat jetzt drei Enkel. Sie hat ihre Familie immer als normal empfunden, auch wenn bei ihnen „alles umgekehrt“ war.

  • Renate Schmidt
    S.O.S. Familie
    Ohne Kinder sehen wir alt aus

    Rowohlt Berlin, 2002
    ISBN 3-87134-444-3
    Preis: 16,90 Euro
 

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  Dieser Text gibt den Inhalt des Beitrags der ServiceZeit Familie vom 27. März 2002 wieder.
Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

– Alle Angaben ohne Gewähr –
 

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